Rotbuche

Die Rotbuche (lateinisch: Fagus sylvatica), oft nur einfach als Buche bezeichnet, gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Von der äußeren Erscheinung her wird zunächst nicht klar, warum sie das Wort »Rot« im Namen trägt. Ihre spitzeiförmigen, fast glattrandigen Blätter sind im Frühjahr hellgrün und an der Blattunterseite mit weichen Haaren bedeckt. Später verliert sich die Behaarung und die Blattfarbe geht in ein sattes Dunkelgrün über. Auch der Stamm ist nicht rot, sondern grau und glatt. Lediglich das aufgeschlagene Holz des Baumes weist eine rötlichweiße Färbung auf.

Die Rotbuche gehört zu den wichtigsten Waldbaumarten Deutschlands. Von Forstexperten wird sie auch als »Mutter des Waldes« bezeichnet, denn ihr Laub und ihr Wurzelwerk erhalten den Boden in gutem Zustand. Der reiche Laubfall im Herbst führt zu starker Humusbildung. In Bezug auf die Bodengüte ist die Buche keineswegs anspruchsvoll. Sie verträgt jedoch keine nassen Standorte. Höhere Anforderungen stellt sie an Wärme und Luftfeuchtigkeit. Vor allem während des Sommers sind ausreichende Niederschläge für das Wachstum notwendig.

Buchenwälder kommen bei uns relativ häufig vor, in weiten Teilen Europas sind sie jedoch sehr rar oder überhaupt nicht anzutreffen. Aus diesem Grunde wird dem Schutz dieser Wälder eine ganz besondere Bedeutung beigemessen, was in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der Europäischen Union seinen Ausdruck findet.

Wer einen Buchenhochwald betritt, den umfängt schattige Kühle. Durch das dichte Laubdach dringt kaum ein Lichtstrahl auf den Waldboden. Daher ist die Krautschicht im Buchenwald oft recht schütter. Lediglich im Frühling, wenn die Blätter sich noch nicht entfaltet haben, wird der Boden von der Sonne beschienen. Jetzt haben Buschwindröschen, Leberblümchen oder Waldprimeln ihre Chance zum Wachsen und Blühen.

Im Vergleich zu den anderen heimischen Laubgehölzen ist das Lichtbedürfnis der Rotbuche sehr gering. Sie wird darin nur noch von der Tanne und der Eibe übertroffen, die ebenfalls als Schattengehölze gelten. Rotbuchen im Unterholz können noch bei einer Beleuchtungsstärke gedeihen, die nur 1/58 des vollen Tageslichtes beträgt. In diesem Falle breiten sie ihr Laub vollkommen waagerecht aus, so dass kein einziges Blatt des jungen Baumes im Schatten eines anderen steht. Dadurch ist gewährleistet, dass der Buchennachwuchs sich auch im tiefsten Dämmerlicht des Waldes entwickeln kann. Andere Pflanzenarten haben unter diesen Bedingungen keine oder nur geringe Entwicklungschancen.

Buchen wachsen in den ersten Lebensjahren recht langsam. Nach 10 Jahren erreichen sie knapp 1 m Höhe, nach 30 Jahren sind es 6 m. Danach nimmt das Höhenwachstum deutlich zu. Im Alter von 50 - 60 Jahren, wenn die Bäume im Frühjahr erstmals blühen, beträgt ihr Zuwachs einen halben Meter pro Jahr. Das Holz der Rotbuche wird sehr geschätzt. Es dient unter anderem zur Herstellung von Möbeln, Bodenplatten und Vertäfelungen, als Bau- und Kaminholz, zur Erzeugung von Holzkohle sowie zum Grillen und Räuchern von Wurst-, Fleisch- und Fischspezialitäten.

Die Buche blüht Ende April bis Ende Mai. Parallel dazu entwickelt sich das zarte Frühlingslaub. Im September und Oktober ist Reifezeit. Dann springen die harten Fruchtbecher an den Zweigen auf und geben die rotbraunen, glänzenden Früchte, die sogenannten Bucheckern, frei. Sie werden von vielen Waldtieren als Nahrung genutzt und eignen sich unter anderem auch zur Gewinnung eines guten Speiseöls.